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Menschen und Datenlage

Wer sind die Betreuungskräfte in der 24h-Betreuung und woher kommen sie?

Wer in einen Haushalt kommt, ist zuerst ein Mensch mit eigener Geschichte. Dieser Beitrag ordnet Herkunft, Alter, Ausbildung, Vermittlungswege und Turnus ein. Er sagt auch klar, was die Daten nicht erklären.

Jacura Redaktion · Stand: Oktober 2026 · Quellen im Beitrag

Betreuungskraft und ältere Person im Gespräch
Herkunft ist eine Datenfrage. Für die Zusammenarbeit zählen Erfahrung, Sprache und persönliche Passung.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • {{ iconCheckAccent }}In Deutschland arbeiten überwiegend Frauen mittleren Alters aus Mittel- und Osteuropa als Betreuungskräfte in Privathaushalten.
  • {{ iconCheckAccent }}Niemand zählt sie genau. Die Arbeitsgruppe der Bundesregierung schätzt 100.000 bis 210.000 Personen an einem Stichtag.
  • {{ iconCheckAccent }}Für Deutschland gibt es keine amtliche Herkunftsverteilung. Österreich veröffentlicht für sein Förderungsmodell amtliche Zahlen.
  • {{ iconCheckAccent }}Die Rolle ist Betreuung, nicht fachliche Behandlungspflege. Meist wechseln sich Betreuungskräfte im Turnus ab.

Die Kurzantwort: Wer in Ihr Haus kommt

Eine Betreuungskraft lebt für einen begrenzten Einsatz im Haushalt und kehrt danach zu ihrer eigenen Familie zurück. Die Bundesregierung verwendet dafür auch den Begriff Live-in-Betreuung. Für Deutschland beschreiben Behörden überwiegend Frauen aus Polen, Bulgarien und Rumänien, daneben weitere EU- und Drittstaaten. Aus Herkunft lassen sich jedoch keine Eigenschaften einer einzelnen Person ableiten.

Was das Modell grundsätzlich bedeutet, erklärt unser Überblick zur 24h-Pflege.

Wie viele es sind und warum niemand genau zählt

Betreuungskräfte in Privathaushalten werden in Deutschland nicht registriert. Deshalb gibt es Schätzungen, aber keine offizielle Gesamtzahl. Ihre Spannen unterscheiden sich auch deshalb, weil einige Zahlen einen Stichtag und andere die Rotation über ein ganzes Jahr betrachten.

Vier Schätzungen, vier Zählweisen
WertHerausgeberJahr und Zählweise
100.000 bis 210.000Arbeitsgruppe Live-In2024, Schätzung am Stichtag
200.000 bis 420.000Arbeitsgruppe Live-In2024, mit Rotation im Jahr
300.000 bis 600.000DIMR2020, Gesamtschätzung
300.000 bis 700.000DIMR2022, Gesamtschätzung

Quellen: Arbeitsgruppe Live-In, 2024; DIMR, 2022.

Aus welchen Ländern sie nach Deutschland kommen

Das Deutsche Institut für Menschenrechte nennt vor allem Polen, Bulgarien und Rumänien. Der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Live-In nennt für ein Praxisprojekt Rumänien, Bulgarien und Polen. Die Reihenfolge ist kein Ranking: Für Deutschland fehlt eine amtliche Herkunftsstatistik.

Was eine Stichprobe zeigt und was sie nicht zeigt

Herkunft in einer Online-Befragung
LandAnteil
Polen49,7 %
Bulgarien29,6 %
Kroatien12,6 %
Rumänien3,9 %

Online-Befragung mit 429 Teilnehmenden im Juni und Juli 2023, nicht repräsentativ. Quelle: Beike, Rösler und weitere, 2026. Auch für Ukraine und Drittstaaten liegt keine belastbare Verteilung vor.

Der Blick nach Österreich: amtliche Zahlen

Österreich veröffentlicht für sein Förderungsmodell eine Herkunftsverteilung der gemeldeten selbständigen Personenbetreuer:innen. Sie gilt nur für geförderte Fälle und ohne Fälle aus Niederösterreich. Gerade diese klare Abgrenzung macht die Zahl belastbar, aber nicht direkt mit der deutschen Stichprobe vergleichbar.

Herkunft im Förderungsmodell 2024
LandAnzahlAnteil
Rumänien19.62259,00 %
Slowakei6.56219,73 %
Kroatien2.5627,70 %
Ungarn2.3937,20 %
Bulgarien9542,87 %

Von der Slowakei nach Rumänien: eine Verschiebung seit 2008

2008

Fast 80 % Slowakei, knapp 7 % Rumänien.

2017

42,5 % Rumänien, 39,3 % Slowakei.

2024

59 % Rumänien im Förderungsmodell.

Quellen: Österreichischer Pflegevorsorgebericht 2024; Leiblfinger und Prieler, 2018.

Was keine Quelle erklärt

Die Zahlen zeigen unterschiedliche Verteilungen in Deutschland und Österreich. Sie erklären aber nicht, warum sich diese Verteilungen unterscheiden oder warum sich die österreichische Verteilung verändert hat. Eine kurze Anreise aus Rumänien ist keine belegte Erklärung.

Die belegte Beobachtung zur Distanz

Für Betreuungskräfte aus Rumänien und Bulgarien beschreibt die Studie bei größeren Distanzen teilweise längere Turnusse von zwei bis drei Monaten. Allgemeine Netzwerke sind belegt, ein konkretes Netzwerk als Erklärung für einen nationalen Anteil jedoch nicht.

Wer sie persönlich sind: Alter, Geschlecht, Ausbildung

Die verfügbaren Befragungen zeigen vor allem Frauen mittleren Alters. Das ist eine Beschreibung der jeweiligen Stichproben, keine Aussage über jede Betreuungskraft. Für eine passgenaue Auswahl zählen persönliche Erfahrung, Sprache und das Gespräch.

Sind Betreuungskräfte ausgebildete Pflegekräfte?

In der Regel nicht. Das ist keine Abwertung, sondern beschreibt die Rolle: Die Bundesregierung nennt den Begriff 24-Stunden-Betreuung irreführend, weil die Tätigkeit nicht als fachliche Pflege qualifiziert ist. Was Betreuungskräfte konkret übernehmen und was nicht, lesen Sie im Artikel Aufgaben einer Betreuungskraft.

Was sie nach Deutschland oder Österreich führt

Die Quellen belegen Rahmenbedingungen, nicht die persönlichen Motive einzelner Menschen. Dazu gehören ein Lohngefälle und die Möglichkeit, im Turnus zu pendeln, statt den Lebensmittelpunkt dauerhaft zu verlegen. Eine systematische Motivbefragung liegt nicht vor.

Gesetzliche Monatsmindestlöhne zum 1. Januar 2026
LandMindestlohn
Bulgarien620 Euro
Rumänien795 Euro
Polen1.139 Euro
Deutschland2.343 Euro

Die Tabelle zeigt nur einen allgemeinen Rahmen, nicht die tatsächliche Vergütung einer Betreuungskraft. Quelle: EURES, 2026.

Wie Betreuungskraft und Haushalt zusammenfinden

Private Agenturen spielen nach den Quellen eine zentrale Rolle, oft im Entsendemodell. Daneben gibt es persönliche Kontakte, Empfehlungen und informelle Netzwerke. Diese Wege sagen nichts über die einzelne Person aus, erklären aber, wie Haushalte und Betreuungskräfte zusammenkommen.

Die Befragung von 2023 nennt 42,6 % Auftragnehmer:innen, 38,9 % Angestellte und 11,2 % Selbständige. Auch diese Werte sind nicht repräsentativ. Die rechtlichen Modelle gehören in den Artikel zur Legalität der 24h-Pflege.

Das Leben im Turnus

Meist bleibt eine Betreuungskraft zwei bis vier Wochen im Haushalt. Danach übernimmt eine zweite Kraft, während die erste zu ihrer eigenen Familie zurückkehrt. Dieses Pendeln gehört zum Modell. Das Deutsche Institut für Menschenrechte beschreibt die Trennung von der Familie als große Belastung und berichtet von hoher Fluktuation.

1

Anreise

2

Zwei bis vier Wochen im Haushalt

3

Übergabe an die Ablösung

4

Zeit bei der eigenen Familie

Anreise, Start und Wechsel erklärt der Artikel Ablauf der 24h-Pflege.

Was das für Ihre Familie bedeutet

Herkunft sagt nichts über die einzelne Betreuungskraft. Fragen Sie nach Erfahrung, Sprache, Verfügbarkeit und der Passung zu Ihrer Situation. Planen Sie den Turnus mit ein und ordnen Sie die Rolle richtig ein: Betreuung und Haushalt sind nicht dasselbe wie Behandlungspflege.

Was wir nicht wissen

  • Keine amtliche Herkunftsstatistik für Deutschland.
  • Keine belastbare Motivbefragung für diese Arbeit.
  • Keine belegte Erklärung für den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich.
  • Keine belastbare Zahl zu Ukraine und Drittstaaten.
  • Keine belastbare Primärzahl zu Qualifikation und Deutschkenntnissen in Deutschland.

Häufige Fragen

Quellen

Stand der Recherche: 14. Oktober 2026. Die deutsche Online-Befragung ist als nicht repräsentativ gekennzeichnet.

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